Daniel im Interview am Tag danach

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Vor knapp 24 Stunden ist Daniel Kinyua WANJIRU in seinen ersten Marathon gestartet, den er 2h08min18sec später an 7. Stelle beendete und damit ein tolles Debüt feierte. Jetzt sitzt Daniel neben mir und wir sind gespannt, wie er den gestrigen Tag erlebt hat.

r2g: Guten Morgen Daniel und nochmals herzliche Gratulation zu Deiner tollen Leistung gestern. Wie hast Du geschlafen?
Daniel: Vielen Dank für die Gratulationen. Geschlafen habe ich eigentlich ganz gut.
r2g: Irgend etwas geträumt an das Du Dich erinnern kannst?
Daniel: Nein :-).
r2g: Etwas mehr als 24 Stunden sind seit dem Start vergangen. Schildere uns bitte Deine Gedanken und Gefühle am gestrigen Morgen und in den Minuten vor dem Start.
Daniel: Die Gefühle in der Früh waren klarerweise anders als bei bisherigen Bewerben und in meinem Kopf drehte sich alles darum, wie das Rennen wohl verlaufen würde für mich. Ich fühlte eine gewisse Anspannung, ja. Nach dem Aufwärmen war ich aber sehr fokussiert und ohne Nervosität wartete ich die letzten Sekunden auf den Startschuss.
r2g: In so einem großen Marathon mit riesigem Elitefeld ist speziell der Beginn oft nicht ganz einfach. Wie verliefen die ersten Kilometer für Dich?
Daniel: Trotz der großen Anzahl an Topläufern ging es für mich überraschend schnell meinen Rhythmus zu finden, wenn gleich immer ein gewisser Stress in der Gruppe zu spüren ist bis jeder seine Position eingenommen hat. Das Tempo knapp unter 3min/km war für mich angenehm und so fühlte ich mich schnell wohl in der Spitzengruppe.
r2g: Was war Deine Taktik für die ersten 30km?
Daniel: Mein Ziel war es bis km 30 in der Spitzengruppe zu laufen und möglichst Energie für den letzten Teil aufzuheben. Eigentlich wollte ich in der Mitte der Gruppe laufen, was ich auch sonst bei den Rennen bevorzuge. Leider gelang mir dies aufgrund von vielen Problemen bei den Getränkestationen nicht wirklich und so lief ich meist eher am Ende der Gruppe, hatte aber dennoch keine Probleme dem Tempo zu folgen.
r2g: Du erwähnst Probleme mit der Getränkeaufnahme und damit sprichst Du einen vermutlich entscheidenden Punkt gestern an. Was waren die Probleme?
Daniel: Bei meinen bisherigen Bewerben (bis zum HM) gab es nie Probleme, da ich auch keine speziellen, persönlichen Getränke brauchte und immer nur etwas Wasser zu mir nahm. Für den Marathon brauchst Du eine kontinuierliche Aufnahme und wir haben unsere Flaschen auch sehr gut vorbereitet. Die besten Athleten bekamen die Getränke von Organisatoren bei jeder Verpflegsstation in die Hand gedrückt, für die restlichen Athleten waren sie auf etwa 10 Tischen verteilt aufgestellt. Meine Flaschen standen auf Tisch 7. Bereits bei km 5 tat ich mir schwer die Tische im hohen Tempo genau abzuzählen, da wir die Flaschen aber gut gekennzeichnet hatten konnte ich sie erwischen. Dennoch war es bei allen Stationen so, dass ich einige Meter auf de Gruppe verlor und danach die Lücke immer schließen mußte. Ich tat dies mit der Flasche in der Hand und trank erst nachdem ich wieder Anschluß gefunden hatte. Mittlerweile habe ich aber schon viele Gedanken darüber gemacht und ich werde sicher aus diesen Erfahrungen lernen und im nächsten Marathon mit einer anderen Taktik versuchen diese Probleme zu vermeiden.
r2g: Welche Taktik meinst Du?
Daniel: :-) Du stellst sehr genaue Fragen! Eine Möglichkeit ist es, sich in der Gruppe weiter nach vorne zu orientieren (knapp hinter den Pacemakern) um bei der Verpflegungsannahme der Erste zu sein und zumindest danach keinen Rückstand aufholen zu müssen. Wir werden es aber noch genau besprechen und auch versuchen zu trainieren.
r2g: Viele sagen der Marathon beginnt ab km 30/35. Wie ist es Dir ergangen. Kam der „Mann mit dem Hammer“?
Daniel: Wenn ich ehrlich bin fühlte ich nichts wirklich Besonderes. Klar spürt man die Kilometer aber auch bei km 35 fühlte ich mich stark genug, das Tempo bis ins Ziel halten zu können. Dann passierte mir allerdings der Fehler bei der Getränkestation und danach war es ein mentales Problem.
r2g: Du meinst den Fehler, dass Du Probleme hattest Deine Flasche zu finden?
Daniel: Ich konnte sie gar nicht finden! Ich wußte, dass es wichtig war bei km 35 zu trinken, zumal wir auch etwas Glucose ins Getränk gemischt hatten und deshalb ließ ich bewußt einige Meter Abstand zum Vordermann, um die Tische leichter zu sehen. Leider verdeckte dann ein Mann genau meinen Tisch und meine Flasche und ich verpasste sie. Blieb kurz stehen, konnte sie aber nicht finden und lief ohne Getränk weiter. Danach hatte ich eine Lücke von 20m etwa und ich versuchte sie zu schließen, war durch den Fehler aber im Kopf irgendwie blockiert und verärgert. In diesem Moment war ich mental auch nicht stark genug. Auch daran werde ich arbeiten :-).
r2g: Wie waren dann die letzten 7km, alleine hinter der Spitzengruppe?
Daniel: Nicht leicht. Obwohl ich wußte, dass der Zeitpunkt kommen kann, an dem ich alleine laufen muß, war ich nicht darauf vorbereitet hinter einer Gruppe laufen zu müssen. Klar, dann fühlt man auch die Müdigkeit in den Beinen aber es kam nicht der große Einbruch. Ich konnte mich wieder aufmich konzentrieren und mein Ziel war es dann in einer möglichst guten Zeit zu finishen.
r2g: Der Zieleinlauf in der Halle in Frankfurt, ein besonderes Erlebnis?
Daniel: Auf jeden Fall. Ich habe noch nie in einer Halle gefinisht und es war ein besonderes Erlebnis und eine tolle Stimmung.
r2g: Deine ersten Gefühle im Ziel?
Daniel: Ich war glücklich und müde. Auch wenn mein insgeheimes Ziel noch etwas höher war, ist es gut seine Leistung so zu akzeptieren, wie es geschehen ist. Man ist selbst dafür verantwortlich und mit 2.08 beim Debüt kann und muß ich zufrieden sein.
r2g: Sehr wohl! Es war eine außerordentliche Leistung vor der wir alle den Hut ziehen und Dir ganz ganz herzlich gratulieren.
Daniel: Vielen Dank.
r2g: Bevor es in Kürze zurück nach Kenia geht noch ein kurzer Blick in die Zukunft. Schon Zeit gehabt darüber Gedanken zu machen?
Daniel: Ein wenig :-). Ich bin noch nicht am Zenit was meine kürzeren Distanzen betrifft. Sprich ich möchte an meinem Speed arbeiten und im Frühjahr 2015 meine 10km und Halbmarathonzeiten verbessern. Ein nächster Marathon folgt dann vermutlich erst im Herbst 2015.
r2g: Eine letzte Frage: welchen Tipp kannst Du unseren Lesern geben, um selbst ihre Bestzeiten zu verbessern bzw. ihre Ziele zu erreichen?
Daniel: Seid geduldig und fokussiert. Lasst Euch nicht von Eurem Weg abbringen, von Euren Zielen ablenken und geht Euren Weg unbeirrt.
r2g: Vielen Dank Daniel für das Interview und dass Du mit Deiner Leistung gestern allen r2g Mitgliedern und Freunden extrem spannende Stunden vor dem Fernseher bzw. an der Strecke geboten hast!
Daniel: Gerne. Nächstes Mal wird es noch spannender und besser ;-).

Euer run2gether Team

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