Mit dem folgendem “Laufcamp-Tagebuch” von Gast Immanuel aus Deutschland, läuten wir die letzte von 12 wunderschönen, ereignis- und laufreichen und beschwingten Sommerlaufwochen ein. Unsere kenianischen Athleten waren wunderbare Gastgeber, haben mit unseren Gäste trainiert, sie mit kenianischem Superfood verwöhnt und mit viel Offenheit aus ihrem Leben und der kenianischen Kultur erzählt.
Wie Immanuel seine Trainingswoche erlebte, hat er in folgendem Bericht zusammengefasst. Herzlichen Dank Immanuel für das berührende Feedback!
Laufwoche Kals am Großglockner – 23.08. bis 29.08.2026

Sonntag, 23.08.2026:
Wer ist dieser ältere Herr, welcher sich als „Pablo aus Colorado“ vorstellt? Er ist mir bereits bei der Challenge am vergangenen Freitag aufgefallen: mit seinem Guide als Letzter in der Runde hat er alles gegeben. Und heute weiß ich mehr: es ist Pablo Vigil, Jahrgang 1952. Der Crossläufer aus den 1970er und 1980er-Jahren, welcher die Berglaufszene beherrschte. Thomas hatte ihn 2023 bei einer Veranstaltung getroffen. Ein Besuch im Laufcamp wurde vereinbart. Und nun, drei Jahre später, hat Pablo dies verwirklicht. Er hält es nie lange an einem Ort aus. Aber im Laufcamp ist er 10 Tage geblieben. Es hat ihn beeindruckt, wie hier Spitzensportler mit Hobbyläufern umgehen und diese anleiten.

Montag, 24.08.2026:
Pablo reist ab. Und die Gruppe lernt sich bei „walk and talk“ kennen. Die Kenianer erzählen von ihren Familien und über ihre Heimat. Die Gäste erläutern ihre Motivation für die Teilnahme an diesem Laufcamp. Nachmittags geht es auf den Sportplatz. Dennis leitet die Gruppe aus Kenianern und Gästen durch die Einheit. Herausfordernde Übungen: besonders der rhythmische Teil mit verschiedenen Bewegungs-Abfolgen ist interessant und sehr anspruchsvoll. Aber es wird nie zu viel. Alle haben Spaß. Und wer mag, darf zum Abschluss noch gegen den Fußball treten. Und diesen im Tor versenken. Wenn er an Alex oder Dennis vorbeikommt… .

Dienstag, 25.08.2026:
Wegen dem unbeständigen Wetter wird der Plan geändert: heute steht Hillwork an. Weil es nachts geregnet hat, ist Downhill nicht möglich. Gelegenheit zum Berg-ab-Rennen werden wir diese Woche noch genügend erhalten.
Ein Olympiasieger beobachtet uns. Venuste Niyongabo (Jahrgang 1973) aus Burundi hat die Goldmedaille über 5000m in Atlanta 1996 gewonnen. Dieter Baumann aus Deutschland wurde damals 4ter. Venustes Tochter läuft beim Hillwork mit. Sie und ihren Vater sollten wir am folgenden Tag noch etwas besser kennen lernen.
Uphill muss mit dem Kopf gelaufen werden. Den hatte ich zunächst auf „Vollgas“ eingestellt. Das war die falsche Entscheidung. Dies habe ich bald gemerkt. Die schnellen Passagen bin ich zu flott angegangen. Und so konnte ich mein Tempo nicht bis zum Schluss durchziehen. Andere haben es besser gemacht. Ich habe daraus gelernt.

Mittwoch, 26.08.2026:
Heute: das Highlight der Woche. Long-Trail-Run bei den Umbal-Wasserfällen. Wer die komplette Strecke meistert, wird 19,6 Kilometer bewältigen. Mit 770 Höhenmetern uphill und 900 Höhenmetern downhill. In behutsamem Tempo geht es bergauf. Meinen Guide habe ich beobachtet: Patrick macht extrem kleine Schritte. Ich passe mich an und finde den Rhythmus. Wenn es sehr steil wird, muss ich allerdings gehen. Dies ist keine Schande, sondern es spart Kraft. Andere sind forscher angegangen und werden nun eingeholt. Wir steigen weiter bergauf. Die Waldgrenze haben wir hinter uns gelassen. Das Gelände wird steinig. Vorsicht ist geboten. Patrick fühlt sich als Uphill-Weltmeister in diesem Terrain wohl. Ich lasse ihn ziehen. Er wird es merken, wenn ich nicht mehr direkt hinter ihm laufe. Die letzten 1,5 Kilometer bis zum Wendepunkt werden etwas flacher. Aber trotzdem mit Kopf laufen. Jeder Schritt muss vorausschauend gesetzt werden. Nach 1:20 Stunden erreichen wir die kleine Plattform. Eine kurze Pause, dann geht es wieder zurück. Unterwegs werden wir von Schafen ausgebremst. Unter großem Protest machen diese schließlich den Weg frei. Bergab läuft es gut. Immer die Knie bewusst anheben. Und irgendwann kommen wir wieder auf geschotterte Waldwege. Der Weg ins Ziel führt dieses mal bis Hinterbichl und ist 3 Kilometer hinter dem Startpunkt. Hier gibt es noch 3 kleinere Anstiege. Und vor dem letzten Berg erwischt es mich dann doch: nichts geht mehr. Speicher leer. Gehpause. Aber nur kurz. Dann weiter rollen, bis ins Ziel auf dem Parkplatz vor dem Gasthaus. Geschafft!!!
Am Abend treffen wir Venuste. Ein interessanter Talk zwischen dem Olympiasieger und der Gruppe entwickelt sich. Als Talentscout für Italien hat er einige Leichtathleten zu Olympia gebracht. Eines wird klar: um sich als Sportler zu beweisen gehören Talent und Kampfgeist untrennbar zusammen. Ich bin beeindruckt. Und Venuste ebenfalls.

Donnerstag, 27.08.2026:
Mit der Gondel geht es bergauf bis zur Adler-Louge. Von dort erreichen wird unseren Trainingsort: ein kleiner See auf 2300m Höhe. Eine Runde ist ungefähr 550 Meter lang. Speedwork ist angesagt: 1 Minute im Renntempo und anschließend 1 Minute langsam. Und das ganze 10 Mal wiederholen. Die letzten 1 – 3 Wiederholungen möglichst schneller als zu Beginn durchziehen. Auf keinen Fall langsamer. So ist die Vorgabe. Und heute funktioniert es tatsächlich. Ich habe mich dieses Mal komplett auf meinen Coach verlassen. Patrick macht hervorragende Tempoarbeit. Und motiviert zum Schlussspurt. Alles perfekt.
Wer mag, darf im Anschluss bis zur Mittelstation auf knapp 2000m Höhe laufen. Ich bin dabei. Ab dem Matrai-Törlhaus geht es steil bergab. Hier hält Patrick kurz an, um nachfolgende Läufer zu lotsen. Ich schließe schnell zur vorderen Läufergruppe auf. In flottem Tempo geht es bergab. Downhill macht richtig Laune. Patrick wird mich nicht mehr einholen. Ich erreiche vor ihm die Mittelstation.

Freitag, 28.08.2026:
Zum Abschluss der Trainingswoche findet die Cross-Challenge statt: jeder aus der Trainigsgruppe bildet zusammen mit seinem Pacemaker ein Team. Nun können wir zeigen, was wir gelernt haben. Der Trailabschnitt fordert noch einmal die ganze Aufmerksamkeit. Auf einer Länge von 4,3 Kilometern geben alle ihr Bestes. Die Schleifen im Gschöss werden konzentriert angegangen. Unterwegs versucht der Pacemaker durch Zurufe die letzten Reserven zu mobilisieren. Jeder im Ziel wird gefeiert und abgeklatscht. Super Leistung. Und es hat Spaß gemacht, auch wenn es zeitweise nicht so ausgesehen hat.
Am Mittag kochen wir gemeinsam Chapati. Und am Abend wird zu kenianischen Klängen getanzt. Ein gelungener Abschluss. Das Laufcamp besteht nicht nur aus Laufen.

Samstag, 29.08.2026:
Das letzte gemeinsame Frühstück. Der Abschied fällt schwer. Es werden Pläne für die Zukunft geschmiedet. Man will sich wieder sehen. Entweder im nächsten Jahr in Kals oder eventuell in Kenia. Für manche aus der Trainingsgruppe und auch für unsere kenianischen Betreuer stehen Wettbewerbe an. Darauf sind alle gespannt und wünschen das Beste.
Wir bedanken uns bei all unseren Gästen für die vielen bereichernden Begegnungen, Gespräche und das gelebte “together” und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen!
Euer run2gether Team

