Tim’s live Report Teil 4

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Hallo Europa!

Wie ich höre ist es inzwischen schon wieder recht frisch bei euch? Auch in Kiambogo hat sich wettertechnisch ein Wandel vollzogen. Der Regen ist da! Sehnlichst erwartet hat er sich für uns persönlich nur den falschen Zeitpunkt ausgesucht. Zum einen hat er die wiederaufgenommene Arbeit an der Bahn ziemlich erschwert und zum anderen ist nun seit über einer Woche kein Strom mehr im Camp… Ob das das allerdings direkt mit dem Regen zusammenhängt, das weiß hier keiner so genau. Vermutlich müsste man den kaputten Stromverteiler dazu zum sprechen bringen… Doch nun eines nach dem anderen:

Stromausfall in Kiambogo – das lange Warten

Seit letzter Woche Donnerstag gibt es im r2g-Centre nun also kein Strom mehr. Eine Tatsache die man sich irgendwie bei uns kaum vorstellen kann. Man muss sich nur mal die Folgen überlegen was in Deutschland oder Österreich geschehen würde wenn nur für einen Tag mal der Strom in einer kompletten Region ausfallen würde?! Man denke an die ganzen Computer die nicht funktionieren würden, Maschinen die stillstehen würden und finanzielle Ausfälle verursachen würden, Kühlschränke und Gefrierschränke die warm werden würden, etc. Doch vermutlich ist das rein fiktiv, da natürlich sofort irgendeine Notversorgung eingerichtet wäre und es nie soweit kommen würde… So ist das gerade hier auch wieder eine interessante Erfahrung hier, da man es im Camp im Gegensatz zu anderen Regionen in Afrika, inzwischen auch für selbstverständlich nimmt dass man Strom hat, sein Handy laden kann oder es Licht gibt. Um jetzt gerade zu schreiben bin ich ins Dorf hinauf gelaufen und sitze bei einem Landwirt in der Arbeiterkammer, da ihn glücklicherweise noch der Strom erreicht. Der gute Mann hat inzwischen täglich bis zu 30 Mobiltelefone zu laden…

Wann es wieder Strom gibt steht leider in den Sternen. Täglich erreichen uns neue Prognosen. Von heute bis in einer Woche ist wohl alles möglich… Eigentlich müsste nur ein neuer kleiner Stromverteiler eingesetzt werden, doch scheint für “ Kenya Power“ Kiambogo nicht der Mittelpunkt der Welt zu sein und das einzige Mal als sich letzte Woche jemand an den Leitungen zu schaffen gemacht hat, hatte es zur Folge, dass eine weitere Region nun ohne Strom dasitzt…

Die Arbeit an der Laufbahn schreitet voran…

… und das letzte Woche trotz des Regens an jedem Mittag sogar in großen Stücken. Der Vorteil des Regens ist dass man sieht: die Drainagen verrichten ihre vorhergesehene Arbeit! Ansonsten ist Stand heute nun das Feld eingeebnet (es ist sogar mit europäischem Auge betrachtet fast eben :-)), so dass kommenden Fußballevents bald auch nichts mehr im Wege stehen wird. Des weiteren ist rings um das Feld nun Gras gepflanzt und ab morgen werden wir beginnen auch das Feld mit Gras zu bestücken. Ich schreibe bewusst “ bestücken“ denn von Rollrasen oder einer Aussaat ist hier keine Spur! Stattdessen werden hoffentlich morgen viele fleißige Hände mit Hacken und langen Grashalmen/Wurzeln im Gepäck anrücken. Dann wird die Erde ungefähr alle 50 cm angehoben und die Wurzel eingesetzt. Es soll sich hierbei um ein besonders resistentes Gras handeln, das überall und bei Regen schnell wächst und auch Dürreperioden gut übersteht. Ich bin gespannt :-)

Saisonende für die Roadracer – die Maradonnas sind da

Mit dem Diamond Run in Nairobi ist für Headcoach Joseph Ngure und seine jungen Nachwuchskräfte hier die Roadracer-Saison beendet. Ab nun ist der Fokus auf die Herbstmarathons gelegt. Dies bedeutet auch in der Belegung des Camps einen grundlegenden Wechsel und viele neue Gesichter hier. Da ein wenig Platz für die ankommenden Maradonnas geschafft werden musste sind einige Roadracer nach Hause gefahren und werden in den nächsten Wochen die verdiente Pause genießen ehe es für sie dann ab Oktober wieder losgeht um sich auf die Cross Country- Rennen vorzubereiten.

Für den Trainingsalltag bedeutet das hauptsächlich dass derzeit die Kilometerzahlen ganz schön hochgefahren werden. Die Marathonläufer sind noch im Formaufbau und brauchen vor allem Ausdauer. Dabei geht es allerdings schon ganz schön zur Sache, steht doch auch nichts Geringeres auf dem Spiel als die Aussicht auf einen Startplatz bei einem Marathon in Europa…

Ein Besuch im “ Home of Champions“ in Iten

Städte die ganz oben auf meiner “ To-do-Liste“ für meine Zeit in Kenia standen waren Eldoret und Iten, welche das Läuferzentrum schlechthin in Kenia bilden. Der Großteil der Topläufer hat sich diese Region als Heimat ausgesucht und so wohnt und trainiert u.a. Marathon-Weltrekordler Wilson Kipsang in dem kleinen Städtchen Iten. Mein Plan war unter anderem herauszufinden was denn diese beiden Städte so einzigartig macht.

Eldoret an sich gehört zu den sieben größten Städten in Kenia und bei der Ankunft in der Stadt selbst ist erstmal nicht viel vom Läufermythos zu spüren. Hat man allerdings das Glück den dort ansässigen Trainersohn Paul Ngure als persönlichen Stadtführer zu haben bekommt man auf einmal gezeigt wo sich Laufcamps befinden, wo Läufer trainieren und wo etwas außerhalb sich die erfolgreichen Laufgrößen in prächtigen Häusern niedergelassen haben.

Wesentlich spannender war es dennoch in Iten zu sein. Untergebracht im Hotel des Herrn Kipsang persönlich gingen Jonas und ich auf Entdeckungsreise. Das besondere hauptsächlich: es wimmelt einfach an allen Ecken von Läufern. Überall wird gerannt und über das Laufen diskutiert, am Markttag werden mindestens so viele gebrauchte Laufschuhe wie Kartoffeln angeboten und schon am Ortseingang empfängt einen selbstbewusst das Schild “ Welcome in Iten – Home of Champions“. Außerdem war es für uns persönlich ein Highlight am Samstag einmal auf der berühmten Bahn Tempoläufe zu machen, welche wir bislang nur von irgendwelchen Reportagen über Marathongrößen kannten.

Am Ende stand für mich aber natürlich der Vergleich, was hat Iten was Kiambogo (noch) nicht hat?! Und ich habe mich für mich persönlich gefreut, dass es da eigentlich wenig gibt. Unbestreitbar ist es natürlich sehr motivierend so viele Läufer zu sehen, und vielleicht gibt es auch tatsächlich etwas mehr flache Strecken in Iten, doch wenn Kiambogo erst einmal die Laufbahn eröffnet ist, gibt es eigentlich wenig Gründe warum es nicht bald heißen sollte: “ Welcome in Kiambogo – New home of Champions“ :-)

Reisen und Städte in Kenia

Nach inzwischen mehreren kurzen Aufenthalten in Nairobi, hatte ich inzwischen auch noch das Vergnügen die größeren Städte Naivasha, Nakuru und Eldoret kennenzulernen und ich muss sagen: interessant dort, aber ich war jedes Mal wieder froh aufs Land zurückkehren zu dürfen. Natürlich bin ich auch kein wirkliches Stadtkind, aber der Trubel der in den Großstädten Kenias herrscht, dagegen ist ein Einkaufsbummel in München oder Stuttgart Erholung… Die Masse des Verkehrs agiert am Limit, nicht zuletzt da das Nahverkehrsnetz hauptsächlich aus Motorradtaxis und Matatus (Kleinbussen) besteht und ungefähr jeder hat auch irgendetwas das er dir verkaufen will. Eine weiße Hautfarbe ist dabei natürlich auch nicht unbedingt von Vorteil…

Trotzdem muss man wenn man hier ist vermutlich zumindest einmal so richtig ins Stadtgeschehen eingetaucht sein. Dank Paul, der uns auch durch die Slums und Gegenden mit verherenden Zuständen geführt hat haben wir gerade in Eldoret einen tollen Einblick erhalten. Wohl dem, der für einigen Stunden neugierig herumstreifen darf, Fotos schießen darf und sich dann in den Kleinbus setzen darf um in einem ordentlichen Zimmer seine Nachtruhe zu genießen…

Liebe Leute zuhause, genießt euer hell beleuchtetes Zimmer und die kalten Getränke aus dem Kühlschrank! Ich freue mich aktuell diebisch an meiner kleinen Solarlampe die mir meine Mutter noch “ für alle Fälle“ zugesteckt hat :-)

Herzliche Grüße!
Tim

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