Es freut uns ganz besonders, dass wir heute Anouk vorstellen dürfen! Sie wird die kommenden zwei Monate in unserem run2gether Camp in Kiambogo verbringen und dort vor allem Peter Chege WANGARI, den Verantwortlichen für unsere run2gether Sozialprojekte, bei den Projekten und der Betreuung unserer Patenkinder tatkräftig unterstützen.

Neben organisatorischen und handwerklichen Aufgaben wird sie uns auch vom Leben im Camp und in Kenia berichten und uns ihre persönlichen Eindrücke schildern.

Lassen wir sie also gleich mal ihre ersten Tage selbst erzählen:

Mein Name ist Anouk Lahier (29 Jahre). 2022 habe ich mich entschlossen, mich im Jänner und Februar 2023 ehrenamtlich im run2gether Camp in Kenia zu engagieren. Ursprünglich komme ich aus Luxemburg, seit 2014 wohne ich in Wien und habe hier meinen Bachelor (Betriebswirtschaftslehre) und Master (Projektmanagement und Organisation) abgeschlossen. Danach war ich als Projekt Managerin in eLearning-, IT- und EU-Projekten tätig. Ich hatte immer das Bedürfnis mich freiwillig in Afrika zu engagieren, und die Kultur näher kennenzulernen. Beim Österreichischen Frauenlauf habe ich im Mai 2022 das Laufteam run2gether Austria kennengelernt und so die Möglichkeit bekommen nach Kenia zu fliegen. In Kenia kann ich bei den Sozialprojekten, die der gemeinnützige Verein in der Region durchführt, mithelfen. Mein Ziel ist es, den Europäer die Welt in Kenia näherzubringen und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sie der Bevölkerung in diesem wundervollen Land zukünftig helfen können.

Meine erste Woche in Kenia (05.01.2022-15.01.2022)

Am 05.01.2023 hat meine Reise ins run2gether Camp begonnen. Ich wurde sehr herzlichst am Flughafen empfangen. Das Camp liegt auf 2.400m, weswegen es in der Nacht sehr windig und kalt wird. Doch ab 06:30 Uhr wird das Camp von der Sonne bereits erstrahlt. Bis am frühen Nachmittag ist es immer sehr sonnig und warm. Danach wird es kühler und schattiger, weshalb das Training der AthletenInnen immer früh morgens und ab 16h stattfindet.

In meiner ersten Woche habe ich öfters in der Küche und beim Waschen ausgeholfen. Einer der beliebtesten Gerichte in Kenia ist Chapati. Dies ist dem Pfannkuchen sehr ähnlich, der Teig besteht aus Mehl, warmen Wasser, Salz und Zucker. Zuerst wird der Teig zu mehreren Kugeln geknetet, danach wird dieser auf einer sehr heißen Pfanne gebraten.

Um mich körperlich und mental fit zu halten, laufe ich gerne hobbymäßig. Deswegen habe ich in der erste Woche drei Läufe unternommen. Zu Beginn ist die Atemluft aufgrund der ungewohnten Höhenlage knapp, doch nach einiger Zeit gewöhnt sich der Körper daran. Das Camp hat die perfekte Ausgangslage für wunderschöner Läufe durchs Gelände.

Um mich für meine Mount Kenya Besteigung Mitte Februar vorzubereiten, habe ich schon sehr viele Spaziergänge und Wanderungen unternommen. Rund um das Camp befindet sich einen atemberaubende Natur, voll von wunderschönen Bäumen und einer spannenden Pflanzenvielfalt. Einer dieser Bäume ist der Euphobia Baum, es handelt sich um einen kaktusähnlichen Baum. Dieser braucht extrem lange zum Wachsen und in den Kaktuszweigen befindet sich eine milchähnliche Flüssigkeit, die sehr giftig ist. Früher wurde diese benutzt, um die Pfeile der Krieger damit einzuschmieren. Auf den Feldern werden Kartoffeln, Spinat, Kohl, Erbsen und vieles mehr gepflanzt. Ein anderes Naturspektakel sind die Canyons rund um das Camp. Diese werden durch den Regen verursacht, da der Boden sehr locker ist und schnell abstürzt. Einige davon können bis zu 3m tief sein.

Besuch der Arztstation Longonot

Am Ende der Woche ging es zu einer der fünf run2gether Partnerschulen, der Longonot Township Primary School. Die Schule sieht baulich von außen recht gut aus. run2gether hat vor kurzem die Schulküche neu ausgestattet und ist aktuell dabei, eine Schulbibliothek zu errichten. Einige Klassenzimmer würden außerdem die Sanierung der Böden vertragen und auch die Beleuchtung in den Räumen könnte noch verbessert werden. Natürlich kann und will run2gether nicht alle benötigten Arbeiten sofort umsetzen, sondern versucht Projekte abwechselnd allen Partnerschulen zu realisieren. Danach habe wir die Arztklinik von Longonot besucht. Diese besteht aus einem Untersuchungsraum, einem Raum  für die Behandlung

Arztstation Kiambogo

kleinerer Verletzungen und einem Raum für die Untersuchungen von Frauen. Die Ärzte haben hier auch schon zwei Geburten erfolgreich durchgeführt. Auf der Station sind zwei ÄrtzeInnen beschäftigt und eine Sekretärin.  Die PatientenInnenn warten im Freien auf einer Bank, bis sie an der Reihe sind. Im Rahmen des heurigen run2gether Schwerpunktprojektes „Health for KIAMBOGO families“ ist geplant, neue Toiletten für die Patienten zu errichten. Ich freue mich sehr, dass ich Peter Chege dabei unterstützen darf.

Die Menschen in Kiambogo und wir „Musungos“

Den Fokus meiner ersten Woche möchte ich jedoch den Menschen in Kenia widmen. Noch nie in meinem Leben bin ich so viele glückliche Menschen begegnet! Die jungen AthletenInnen der run2gether Academy  im Camp sind zwischen 13-18 Jahre und ich habe sie noch nie streiten gehört. Sie motivieren sich gegenseitig und lachen gemeinsam. Auch die kleinen Kinder aus dem Dorf, die täglich im Camp rumlaufen, können sich mit den einfachsten Dingen beschäftigen und man hört sie nie schreien. Ich hatte bereits die Möglichkeit drei Familien außerhalb des Camps kennenzulernen. Zwei der Familien wohnen auf engstem Raum in einer Lehmhütte, sie haben Tiere zum Schutz und als Geldressource. Die Menschen hier leben von Tag zu Tag, lassen sich nicht unterkriegen und empfangen jeden Besuch sehr gastfreundlich. Es ist üblich, dass man etwas zum Trinken angeboten bekommt und auch ein kleinen Schnack.
Geoffrey GITHUKU hat mit mir und einer anderen Europäerin eine kleine Wanderung unternommen, dabei hatten wir das Glück, Naomi Waithera kennenzulernen, eine Frau, die mit ihren 101 Jahren geistig wie auch körperlich sehr fit ist. Sie freut sich über jeden Besuch und wohnt alleine in einer kleinen Lehmhütte.

Montag morgens wird immer genutzt, um auf einem nahgelegenen Markt den Einkauf für die ganze Woche fürs Camp zu erledigen. Der Markt ist voll von einzigartigen Früchten und Gemüse. In der Nähe vom Markt befinden sich auch kleine Geschäfte, wo man wirklich alles findet, was man braucht.

Am Abend wurde sich die Zeit mit UNO vertrieben. Freitag habe ich meine Wäsche gemacht und bin mit dem Geoffrey in den nächstgelegten Shop zum Einkaufen gegangen. Am Shop war sehr viel los, hier kann man von Lebensmittel, Zigaretten, Hygieneartikel und Motoröl alles besorgen. Die Reaktion der Leute ist immer sehr herzlich, viele schauen dich zuerst verdutzt an. Im Nachhinein sind sie sehr interessiert, oder freuen sich über eine kleine Begrüßung. Wir Europäer werden hier Musungo genannt. Oft hört man die Kinder diesen Begriff schreien, damit du sie wahrnimmst

Meine erste 10 Tagen hätte ich mir nicht besser vorstellen können, ich habe mich vom ersten Tag an wohl gefühlt. Die Tage sind von sehr vielen Eindrücken und Erlebnissen gezeichnet, die ich täglich versuche zu verarbeiten und zu reflektieren.“

Vielen Dank liebe Anouk, für deine lebhaften Schilderungen, wir freuen uns schon auf deine nächsten Berichte!

Euer run2gether Team

22. Jän 2023