Tim’s live Report aus Kenia – Teil 2

Kenian Kind Of Sport

Hallo nach Europa!

Seit meinem letzten Bericht sind bereits einige Tage ins Land gezogen und es ist nun wieder an der Zeit für einen kleinen Bericht aus dem Herzen Kenias.

Besucher im Sports Centre
Letzte Woche ging es hier vor Ort ziemlich heiß her und so wurde das Camp einmal logistisch an seine Grenzen geführt. Nebst der Wienerin Sabrina, Alun und Gesine aus Hamburg und meiner Wenigkeit, wurden für fünf Nächte sieben italienische Gäste unseres Sponsors “ Africa & Sport“ im Camp begrüßt. Dies hatte in der Vorbereitung größere Umzugsmaßnahmen zufolge, da mit den vielen Gästen für die folgenden Tage damit so ziemlich das Maximum an Platz ausgeschöpft war.
Glücklicherweise erklärten sich unsere weiblichen Athleten bereit, zumindest für kurze Zeit zugunsten unserer italienischen Freunde ihr “ Zuhause“ zu räumen und fanden, nachdem ich mich von dort verzogen hatte, im Turkana House eine neue Bleibe. Der große Vorteil des Ganzen: die Damenunterkunft ist nun mal wieder auf (kenianischen) Hochglanz poliert! ;-)
Doch nicht nur in Sachen Logistik machte sich der viele Besuch bemerkbar. Man muss einfach sagen: wenn sieben muntere Italiener auf durchaus auch recht fidele Kenianer treffen, dann ist was los! Wenn man nun also gemeinsam im Essensaal sitzt, das Essen verteilt wird, der (unausschaltbare) Fernseher plärrt, und quer durch den Saal auf Suaheli, Gikuyu, Italienisch, Englisch und Deutsch der Tag diskutiert wird, dann ist das an Lautstärke kaum zu übertreffen…

Das Wetter
Wer Kiambogo im Juli/August bereisen mag, der sollte für alle Eventualitäten gewappnet sein. Das Wetter wechselt derartig schnell, dass ein kurzer Mittagschlaf ausreicht um die kurze Hose wieder im Zimmer lassen zu können und stattdessen lange Hosen und Jacke zu benötigen. Besonders gefährlich, da man sich dadurch häufig einmal erkälten kann ist der teils starke Wind. Leider sind auch die Athleten dem teilweise nicht so recht gewappnet und so gab es in der letzten Woche so manche kleine Verkühlung.
Um es einmal im Tagesablauf zu veranschaulichen sah das z.B. gestern so aus: Morning Run fröstelnd mit Mütze und Handschuhe, zweite Einheit schwitzend im Singlet und kurzer Hose (→ herrlicher Sonnenbrand auf den Schultern…), danach konnte man sich traumhaft in der Sonne sitzend im Garten erholen, aber ab dem frühen Abend gab es dann auf einmal trübes Wetter mit absolutem Jackenbedarf. Die einzige Konstante ist derzeit: Das Warten auf den Regen. Eigentlich etwas was die Region derzeit dringend benötigen würde…

Training
Persönlich hatte für mich die letzte Trainingswoche Höhen und Tiefen. Absolut stolz, sowohl Montag wie auch Dienstag das gesamte Training mit den Athleten absolvieren zu können, habe ich mir am Dienstag beim “ Bahntraining“ eine gesalzene Erkältung eingefangen, die mich leider ziemlich ausbremste und mich von da an wieder gesondertes Programm absolvieren lies. Trotzdem war ich happy, als ich am Samstag nach einem Longrun über 25km mit Alun und unserem Pacemaker Paul feststellen durfte, dass sich trotz aller Hinderungen 108km angesammelt hatten.
Die Jungs und Mädels haben ansonsten aber wirklich eine knackige Woche hinter sich. Da die beiden eigentlich gemütlichen Longruns offenbar jeweils in interne Wettläufe ausarteten, haben sie sich wohl täglich ziemlich ans Limit geführt und dem freie Sonntag wurde dankbar entgegen gesehnt…

Ein paar Worte noch zum Thema Bahntraining:
Während man bei uns ja so selbstverständlich fast in jedem Dorf oder Städtchen eine Tartanbahn vorfindet läuft das bislang in Kiambogo etwas anders ab. Um überhaupt zur “ Bahn“ zur gelangen darf man sich zuerst einmal 5km den Berg hinauf “ warmlaufen“ und dabei 300Hm überwinden. Schließlich auf 2700m Höhe angekommen begibt man sich in ein Schulgelände, auf welchem sich ein großes Fußballfeld befindet. Hierauf liegen dann pausierende Schüler, es weiden Kühe und naja, drumherum trainieren eben kenianische Topathleten… Selbstverständlich aber nicht auf Asche oder gar Tartan! Vielmehr hat sich irgendjemand wohl einmal die Mühe gemacht, um das Feld herum 400m abzumessen (die GPS-Uhr ist sogar einverstanden damit!!) und durch eine Vielzahl von Läufern wurde eine Spur in das Gras hineingelaufen. Tja und so holpert man dann über Schlaglöcher und Kuhfladen. Zumindest wenn man Europäer ist… Wenn man Kenianer ist, fliegt man eben über all diese Unebenheiten hinweg und absolviert die 10x1000m dann locker jeweils unter 2:58…
Auch wenn dieses Bahntraining auch eine ganz eigene Erfahrung ist: Wie herrlich dass es bald in Kiambogo die ortseigene run2gether-Aschenbahn geben wird…

Circuit Drills and Exercises:
Dies stand gestern zum Beginn der neuen Trainingswoche auf dem Programm. Sehr gespannt was sich dahinter verbirgt, habe ich mich mit unseren italienischen Freunden im Gepäck auf den Weg zum Feld der Primary School gemacht.
Fazit: Es war eine hoch unterhaltsame Stunde. Ich hoffe die Bilder geben es ein wenig wieder… Unter Beobachtung hunderter Kinder wurde gehüpft, geworfen und ein Stationenbetrieb absolviert und man kann durchaus sagen dass der Spaß sehr im Vordergrund stand.
Allerdings erlaube ich mir trotzdem festzustellen, dass das Thema Athletik und Koordination eigentlich bestimmt eines wäre, bei welchem die Athleten noch ziemlichen Nachholbedarf haben.. Natürlich haben die meisten natürlich nicht gerade eine sportliche Grundausbildung im örtlichen Sportverein hinter sich, aber dass man einen Hampelmann hüpfen, oder ein paar saubere Liegestützen machen kann hätte ich von Topläufern schon erwartet… So durfte ich wenigstens für mich vermerken, dass wenn man schon beim Laufen den Athleten nicht das Wasser reichen kann – mit Liegestützen kann man sie beeindrucken ;-)

Besuch bei Geoffrey Githuku:
Habe ich euch letzte Woche von meinen eher etwas bedrückenden Besuchen der armen Familien erzählt, so war ich in dieser Woche gleich zweimal bei Geoffrey zu Hause zum Mukimo-Essen eingeladen.
Geoffrey hat das Glück, als Letztgeborener in einer eher etwas wohlhabenderen Familie in Kiambogo aufgewachsen zu sein. Dass dies der Fall ist, hat er wohl der Intelligenz bzw dem Fleiß seiner Eltern zu verdanken. Der Vater, vormals Lehrer, hat mit Hilfe seiner Familie über die Jahre, rings ums Haus die Flächen mit Gemüse bepflanzt und sich wohl dabei sukzessive vergrößert. Inzwischen wachsen allerlei Leckereien (z.B: Physalis frisch vom Busch…. Mmh!!) rings um das Haus und die Felder werfen derart viel Kraut, Zwiebeln oder Bohnen ab, dass diese längst nicht mehr nur zum Eigenbedarf reichen, sondern gewinnbringend verkauft werden können. Es war schön zu sehen und hören wie sich eine Familie auch in der ärmlichen Region Kiambogos einwickeln kann und zu einem ausreichenden Wohlstand gelangen kann.

Am Sonntagmorgen habe ich mal flink hochgerechnet und bin zu dem Schluss gekommen, dass die 4h Kirche der letzten Woche durchaus auch noch für diese reichen dürften… Statt mich also kirchengemäß in Schale zu werfen, habe ich die bequeme Jogginghose anbehalten und mich mit Joseph ,Lydia und Idah der Aufgabe gewidmet gut 45 hungrige Menschen am Abend mit leckeren Chapati zu versorgen. Wow, eine ganz schöne Arbeit, wonach der Respekt für unsere Köche hier im Camp absolut gestiegen ist!! Die Menge dessen was nämlich so mancher Läufer hier verdrückt, da könnte man eine halbe Großbäckerei mit der Chapatiproduktion beauftragen ;-)
Für den der Chapati noch nicht kennt: Es ist eigentlich eine völlig einfach Rezeptur: Mehl wird mit Wasser vermengt, gut durchgeknetet und dann zu runden kleinen Flächen ausgewellt. Die Fläche wird dann mit einer gehörigen Portion Öl herausgebraten und am Ende steht ein unheimlich leckeres, absolut empfehlenswertes, Pfannkuchenartiges Produkt. Absolut testenswert!!

Nun das soll es für heute wieder gewesen sein… Und da für mich morgen um 6.30 Uhr der nächste Morning Run wartet, steht nun in Kiambogo die Nachtruhe an. Darum wünsche ich aller Welt: Gute Nacht und Lala salama!

Euer
Tim

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